Fotografiere für ein Butterbrot

Es gibt Momente im Leben, die einen vor die existentiellen Fragen überhaupt stellen: „Was bin ich? Wozu bin ich da?“. Meinen persönlichen Augenblick dieser monumentaler Erleuchtung liegt noch gar nicht soweit zurück …

Mein Sohn – der eine ausgeprägte Leidenschaft für die digitale Welt pflegt, die schon in das Obsessive grenzt – lud mich in einen seiner Chaträume ein, um mich seinen Clanmitgliedern vorzustellen. Als digitaler Silberrücken wurde mir auch prompt eine „Ehrenmitgliedschaft“ zuteil. Es folgte eine ausgiebige Fragerunde über meine spielerische Natur und ein großes Lob darüber, dass es mir doch tatsächlich ohne fremde Hilfe gelungen sei, mein Headset ordentlich zu konfigurieren. Irgendwann innerhalb dieser Gesprächsrunde kam dann die unvermeidliche Zwischenfrage darüber, womit ich denn meinen Lebensunterhalt bestreite: „Ich bin – unter anderem – Fotograf und Kameramann!“ lautetet meine Antwort (Ich hielt die Antwort bewusst kurz und nur auf diesen einen Aspekt meines Schaffens begrenzt, um besonders „cool“ zu wirken (darf man das heute eigentlich noch sagen?). Der kurze Augenblick der Stille die nun folgte hatte schon was Beängstigendes …

„Wer zahlt den heutzutage noch für Fotografie?“ tönte es mir entgegen.

Ich muss gestehen, dass ich für kurze Zeit wie paralysiert war und stammelte dann so etwas wie: „Na ja, jeder der wirklich hochwertige Bilder benötigt …“ so oder so ähnlich lautete meine nicht grade vor Schlagkraft trotzende Antwort. Es entbrannte eine Diskussion darüber, dass man in Zeiten in denen jedes Smartphone und iPad über Kameras verfügt mit denen man Bilder in Posterformat fotografieren könne, der Beruf des Fotografen doch gänzlich unnütz geworden sei. Und überhaupt, mit den richtigen Filtern von Instagram und Co. würde doch eh alles hervorragend aussehen. Also wer braucht bitte schön noch einen ausgebildeten, professionellen Fotografen? Und wer will dafür noch Geld bezahlen, dass dieser pixelverliebte Scharlatan irgendwelche Produkte oder Events fotografiert? Wie ich denn meine horrende Tagesgage bis zu 850,- EUR rechtfertigen würde …?

Eine gute Frage, wie ich fand.

Es verhält sich tatsächlich so, dass es jedem mittlerweile möglich ist, zu jeder beliebigen Zeit an jedem Ort, zu fotografieren. Das benötigte Rüstzeug trägt man mit sich herum – und manchmal telefoniert man damit auch. Aber erzeugt man damit wirklich Qualität? Halten diese „Bilder“, was die Hersteller versprechen? Ohne jetzt zu sehr in das Technische abgleiten zu wollen, in dem Begriffe, wie Tiefenschärfe, Rauschverhalten, Farbraum, Blende, Belichtungszeit, Crop Faktor, 14Bit, RAW, Tiefpass, TTL-CT-SIR, CMOS, Dual DIGIC oder ähnliches fallen … Nein! … diese kleinen Kameras können das nicht. Um gute Fotografien anfertigen zu können, bedarf es schon einer ordentlichen Technik – und die kostet nun mal etwas mehr, als herkömmliche Fotoapparate, Smartphones oder iPads.

Eine gute Kamera ist aber nicht alles …

Wesentlich entscheidender für das Resultat sind die richtigen Objektive. In meiner Kameratasche befinden sich neben einer DSLR auch hochwertige Optiken die in ihrer Summe den Wert meiner Spiegelreflexkamera um ein vielfaches übersteigen. Als Fotograf benötigt man ein breites Spektrum an Objektiven, um für jede Situation gewappnet zu sein, sei es im Fotostudio oder „on Location“. Ein Portraitfoto benötigt eine andere Optik wie ein Produktfoto. In der Event – Fotografie kommen häufig Weitwinkelobjektive und Teleobjektive gleichermaßen zum Einsatz. Oft in Kombination mit einer zweiten Kamera, um schnell auf wechselnde Ereignisse reagieren zu können. Und als Sportfotograf weiß man extreme Brennweiten und schnelle Verschlusszeiten wirklich zu würdigen. Jede Situation erfordert eine anderes Objektiv und das geht ganz schön ins Geld.

Talent, Erfahrung und das richtige Auge.

Angenommen der Größenwahn habe Sie gepackt und Sie haben beschlossen, mal eben so rund 10.000,- EUR für ein Profi – Equipment beim Fotohändler Ihres Vertrauens auf die Theke zu legen – und dass nur um es diesem impertinenten Fotografen zu zeigen. Respekt! Sie sind auf dem Besten Wege ein Profifotograf zu werden … und so in ca. 3 bis 4 Jahren sind Sie das auch. Fotoequipment ist aber nicht alles. Erfahrung und das richtige Auge sind die nächsten Hürden auf dem Weg zum perfekten Bild. Abgesehen davon, dass Sie den Umgang mit all diesen Knöpfen, mit Blende, Verschlusszeit und der richtigen ISO Einstellung erlernen müssen – kommt noch der Blick für das Motiv, die Perspektive, Vorder- und Hintergrund – und nicht zu vergessen, der goldene Schnitt. In der Produktfotografie kommen noch weitere Aspekte wie Tiefenschärfe und Aufnahmewinkel hinzu. Von der korrekten Ausleuchtung mal abgesehen …

Natürlich können Sie all das erlernen – Tutorials, wie man den Umgang mit der Kamera erlernt oder das perfekte Foto schießt gibt es mehr als genug. Nur braucht es sehr viel Zeit all die Aspekte die ein gutes, digitales Bild benötigt – zu erlernen. Sagen wir, Sie haben sich nun rund 1.000 bis 2.000 Stunden mit der Thematik beschäftigt. (Wie hoch ist eigentlich Ihr Stundensatz? Multiplizieren wir diesen mal schnell mit der Stundenzahl und addieren diesen Wert zu den Anschaffungskosten.) Wir reden jetzt nicht nur vom reinen technischen Aspekt des Fotografierens, sondern auch vom Umgang mit den richtigen Programmen, um das Bild korrekt zu entwickeln. Ob Sie es glauben oder nicht – auch in der digitalen Welt werden Fotografien entwickelt!

Ein gutes Foto entsteht am Computer.

Was braucht es? Zunächst einen Computer und die richtige Software. Meine persönlichen Favoriten sind Adobe Photoshop und Lightroom. Beide können Sie hier als Demoversion herunter laden und sich – nur so aus Spaß – mal ansehen. Die Möglichkeiten zur Bearbeitung, Retusche und des Bildcomposing sind unbegrenzt. Nur muss man da erst einmal durchblicken. Obwohl ich schon mehr als 15 Jahre mich mit dem Thema Digitalbild beschäftige habe ich es bis heute nicht geschafft, wirklich alle Möglichkeiten der Software voll und ganz auszuschöpfen. Prozentual betrachtet würde ich sagen, dass ich knapp an der 50% Hürde kratze (wenn überhaupt). Wie gesagt, Lehrgänge, Tutorials und Handbücher gibt es wie Sand am Meer – nur braucht es enorm viel Zeit, um diese zu studieren und zu verinnerlichen.

Also … wer zahlt heute noch für Fotografie?

Letztendlich jeder, der den Anspruch an Qualität für sich und/oder sein Unternehmen verinnerlicht hat. Gute Bilder – egal ob Mitarbeiterportrait, Produktbild oder vom Event – sind im Zeitalter der visuellen Medien und sozialen Netzwerke enorm wichtig geworden. Texte werden leider kaum noch gelesen und die Aufmerksamkeit fokussiert in erster Linie die visuellen Inhalte. Kurzum – ein gutes Bild sagt mehr als tausend Worte! Alt und gern als Phrase missbraucht, aber heute noch voller Wahrheit. Das Beste zum Schluss: gute Bilder bekommen Sie von uns.

(Autor: Thorsten Güttes / geschrieben für blog.w-plus.de)